Erfahrungen mit Mispeln (Mespilus germanica)

Mespilus germanica ‘Nottingham’ im ersten Jahr nach der Pflanzung

Ich habe zwei Mispeln (Mespilus germanica) als ca. 60 cm hohe Sträucher bekommen, bei beiden setzte die Verzweigung in 4-6 Triebe bereits ca. 10 cm über dem Wurzelhals an. Die Sorte ‘Kurpfalz-Mispel’ kam von der Baumschule Ritthaler, aus der Baumschule Eggert bezog ich die Sorte ‘Nottingham’, beide als Containerpflanzen in tadellosem Zustand, mit vitalem Wurzelwerk.

Gepflanzt wurden die Buschbäume im Waldgarten Brömsenberg in Westmecklenburg. Am Standort liegt ein reiner Sandboden mit teilweise nur 10 cm starkem humosen Oberboden vor. Die langjährige Durchschnittstemperatur liegt bei 8,7 °C, der Jahresniederschlag beträgt 602  mm und ist weitgehend gleichmäßig verteilt. In den Wintermonaten fallen durchschnittlich 40-50 mm, in den Sommermonaten 50-60. Die jährlichen Sonnenstunden am Standort betragen in Summe 1698 (Klimadaten nach www.meteostat.de).

Im Zuge des stattfindenden Klimawandels ist am Standort mit einer Erwärmung auf 10 °C (RCP 2,6) bis 11,5°C (RCP 8,5) zu rechnen. Die Niederschläge werden weitgehend gleich bleiben. Auch die Verteilung im Jahresgang wird dem bisherigen Muster folgen, jedoch ist mit einer Zunahme von Trockenperioden und Starkniederschlagsereignissen zu rechnen. Weitere Informationen zu Klimaentwicklungsszenarien und den Folgen finden sich beim Deutschen Wetterdienst (www.dwd.de), auf dem Hamburger Bildungsserver (wiki.bildungsserver.de/klimawandel) und bei der deutschen Koordinierungsstelle des IPCC (www.de-ipcc.de).

Bei der Pflanzung Anfang März wurden in das Pflanzloch pro Buschbaum ca. 3 x 2 Hände voll von einem Pflanzsubstrat gegeben, dass aus einem Teil Pflanzenkohle, einem Teil Lehm und einem Teil reifem Mist bestand. Dieses wurde mit dem Sand vermischt und so der Bereich bis eine Hand breit unter dem Wurzelballen und eine Hand breit drumherum gefüllt. Ein Gießrand wurde angelegt und die Pflanzen wurden angegossen. Erst im Juni des ersten Jahres wurde um den vorher bearbeiteten Bereich nochmals ein kleiner Graben von einer halben Hand Breite und einer Hand Tiefe gezogen und dieser mit 3 x 2 Händen voll geladener Pflanzenkohle befüllt und dann wieder geschlossen. Dann wurde ein ca. 10 cm dicker Mulch aus Grasschnitt aufgetragen. Auf Schimmelbildung kontrolliert, stellte sich heraus, dass die Dicke optimal gewählt war, denn es bildete sich kein Schimmel, aber unter dem Mulch tummelten sich die sonst im örtlichen Sandboden so raren Regenwürmer. Gewässert wurden die Pflanzen nach der Pflanzung überhaupt nicht mehr.  Noch Anfang Mai war ein heftiger Spätfrost zu verzeichnen, den beide Bäumchen gut überstanden, jedoch blieb bei der ‘Kurpfalz-Mispel’ die Fruchtbildung aus (siehe unten). Die Pflanzen bekamen keinen Schutz gegen Verbiss.

Deutlich spürbar war vor allem das Mulchen. Die Blätter der Pflanzen standen danach auch in der Mittagshitze noch kräftig, wohingegen sie vorher mangels Wasser etwas heraub hingen. Auch der Johannistrieb, der vor dem Mulchen eingesetzt hatte, machte nochmal einen ordentlichen Schub. Dennoch ist es erstaunlich, dass die Pflanzen in dem reinen Sandboden und teilweise lang anhaltender Trockenheit sehr vital blieben und gut anwuchsen. Die Mispeln sind also für trockene, arme Standorte durchaus geeignet, können mit einer Verbesserung des Bodens hin zu mehr Wasserretention und Nährstoffverfügbarkeit deutlich bessere Leistungen bringen.

Die Sorte ‘Nottingham’, die von der Baumschule Eggert, die nördlich von Hamburg liegt,  geliefert wurde, setzte gleich Früchte an, die ich am Baum beließ. Trotzdem war der Johannistrieb kräftig und die Pflanze wuch bis zum Juli schon 20 cm an allen Trieben. Die ‘Kurpfalz-Mispel’ von der Baumschule Ritthaler aus dem Süden Deutschlands setzte zwar Blüten an, bildete jedoch keine Früchte aus.

Im Süden wächst die Mispel als Baum von der Größe üblicher Halbstamm-Obstbäume, mit einer ausladenden Krone und Höhen bis 5 m. Um diesen Habitus zu erreichen, müssten bei meinen Buschbäumchen je ca. 4 schon eine Hand breit oberhalb des Wurzelhalses ansetzende Triebe entfernt werden, um das Wachstum auf einen Terminaltrieb zu konzentrieren. Im Moment stehen die Bäumchen an der Nordseite der “Gemüsegarten-Lichtung”, wo sie viel Sonne abbekommen, aber auch noch nicht gegen kalte Winde von Norden geschützt sind (die Windschutzhecke konnte aufgrund von Bauarbeiten noch nicht bis in die Nordecke des Gartens angelegt werden).

Insgesamt zeigt sich die Mispel schon im ersten Jahr als schnell Ertrag bringender Buschbaum für das Norddeutsche Klima. Die Sorte ‘Nottingham’ tut sich durch sofort einsetzenden Fruchtbehang hervor. Ein heftiger Spätfrost im Mai wurde von ihr gut vertragen und auch starke Winde (mehrere Unwetter im Juni) konnten ihr nichts anhaben. Die ‘Terra-Preta-Behandlung’ (Zugabe von mit Urin geladener Pflanzenkohle, Mist/Kompost und Lehm zum anliegenden Sandboden) zeigt deutliche Auswirkungen auf den Zuwachs. Das Mulchen bringt im Tagesgang eine deutlich bessere Wasserversorgung der Pflanze.

 

 

One thought on “Erfahrungen mit Mispeln (Mespilus germanica)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *