Aroniabeere (Aronia melanocarpa, A. prunifolia)

Aroniabeere im ersten Jahr nach der Pflanzung. Diese Sorte (Nero) trägt im August bis in den September hinein sehr große Beeren.

Ich habe drei Sorten der Apfel- oder Aroniabeere bei mir im Garten, Aronia melanocarpa ‘Nero’, ‘Viking’ und ‘Hugin’, dazu noch eine Aronia prunifolia. Die Sträucher wurden Anfang März gesetzt, mit einer Zugabe von Kompost und Lehm im Pflanzloch, der umliegende Boden ist ein reiner Sand, der nach der Entfernung der Grasnarbe nur noch 10 cm humosen Oberboden besitzt.  Die Pflanzen kamen als Containerpflanzen von der Baumschule Eggert (www.eggert-baumschulen.de) und hatten eine ausgezeichnete Qualität mit vielen gesunden Wurzeln.

Auf die ‘Baumscheibe’, also den Bereich um den Stamm der Sträucher, in diesem Fall mit einen Radius von ca. 20 cm. wurde eine ca. 1 cm dicke Schicht ungeladene (!) Pflanzenkohle ausgebracht und leicht mit dem Aushub des Pflanzloches vermischt. Darauf kamen ca. 3 cm alter Pferdemist, der einem sehr reifen Kompost mit vielen Regenwürmern ähnelte. Sicher sollte eigentlich geladene Pflanzenkohle (min. 4 Wochen in Urin oder Gülle) verwendet werden, um eine Nährstoffdepression zu vermeiden. Da jedoch zum Pflanzzeitpunkt keine geladene Kohle verfügbar war (sollte man durch gute Planung vermeiden!), wollte ich trotzdem einen Nährstoffspeicher gleich mit einbringen. Die Idee ist dabei, dass der darauf gegebene Mist im laufe der Zeit Nährstoffe freigibt, die von der darunter liegenden Kohle aufgenommen werden. Das deutlich bessere Verfahren, das hier aus Zeit- und Ressourcenmangel keine Anwendung fand, ist z.B. im Artikel ‘Erfahrungen mit Mispeln‘ beschrieben.

Gepflanzt wurden die Sträucher im Waldgarten Brömsenberg in Westmecklenburg. Am Standort liegt ein reiner Sandboden mit teilweise nur 10 cm starkem humosen Oberboden vor. Die langjährige Durchschnittstemperatur liegt bei 8,7 °C, der Jahresniederschlag beträgt 602  mm und ist weitgehend gleichmäßig verteilt. In den Wintermonaten fallen durchschnittlich 40-50 mm, in den Sommermonaten 50-60. Die jährlichen Sonnenstunden am Standort betragen in Summe 1698 (Klimadaten nach www.meteostat.de).
Im Zuge des stattfindenden Klimawandels ist am Standort mit einer Erwärmung auf 10 °C (RCP 2,6) bis 11,5°C (RCP 8,5) zu rechnen. Die Niederschläge werden weitgehend gleich bleiben. Auch die Verteilung im Jahresgang wird dem bisherigen Muster folgen, jedoch ist mit einer Zunahme von Trockenperioden und Starkniederschlagsereignissen zu rechnen. Weitere Informationen zu Klimaentwicklungsszenarien und den Folgen finden sich beim Deutschen Wetterdienst (www.dwd.de), auf dem Hamburger Bildungsserver (wiki.bildungsserver.de/klimawandel) und bei der deutschen Koordinierungsstelle des IPCC (www.de-ipcc.de).

Alle Sorten trieben zunächst kräftig aus. ‘Nero’ und ‘Hugin’ blühten zahlreich und bildeten einen üppigen Fruchtbehang. Einen Spätfrost Anfang Mai überstanden alle Pflanzen ohne Probleme. Ein Strauch der Sorte ‘Nero’ bekam ab Anfang Juni braune Blätter und die Beeren vertrockneten. Ich habe bei diesem dann die Beeren entfernt, um den Pflanzen mehr Wasser und Nährstoffe für das Anwachsen und den Zuwachs zu lassen. Bei allen Pflanzen wurde ein ca. 10 cm dicker Mulch aus Grasschnitt auf der Baumscheibe ausgebracht und die etwas angeschlagenen haben sich bis Mitte Juli auch wieder völlig erholt und einen kräftigen Johannistrieb gebildet. Bei den anderen Pflanzen, die keinerlei Symptome irgendwelcher Schwierigkeiten zeigten, habe ich die Früchte belassen, um einfach mal zu schauen, mit was man im ersten Jahr rechnen kann.

Die Sorte ‘Hugin’ ist also die einzige, die im ersten Jahr Früchte angesetzt hat und diese auch halten konnte. ‘Nero’ wächst gut, verträgt aber den Fruchtbehang nur teilweise oder bräuchte eine bessere Nährstoff- und Wasserversorgung, um diesen zu halten. Der Strauch der Sorte ‘Nero’, der Früchte trug, hat sich allerdings letztendlich vom Ertrag her am Besten verhalten. Ende August trug er sehr große und viele Beeren. Die Früchte von ‘Hugin’ sind viel kleiner geblieben, schmecken aber deutlich süßer. Die Sorte ‘Viking’ wächst hervorragend, hat aber im ersten Jahr keine Früchte angesetzt.

Ein deutlicher Unteschied im Anwuchserfolg zeigte sich bei Unterschieden in der Bodenbeschaffenheit und in den Maßnahmen bei der Pflanzung. Die Beerensträucher, die braune Blätter bekamen und deren Früchte vertrockneten, waren in den Bereichen mit dem geringsten Humusgehalt gepflanzt worden. Außerdem waren die Beigaben bei der Pflanzung sehr spärlich ausgefallen. Um die Bedingungen zu beschreiben, könnte man etwas überspitzt behaupten, sie seien zur Bepflanzung einer Wanderdüne verwendet worden, so sandig war die Umgebung. Dass die Pflanzen dennoch überlebt haben, spricht sehr für die Robustheit der Aroniabeere. Nährstoffarmut, Spätfrost und kalter Wind (es gab mehrere Unwetter im ersten Jahr) konnten allen Sorten nichts anhaben, aber Austrocknung ist ein Problem auf extremen Standorten. Mit Zugabe von Terra Preta (Kompost und geladene Pflanzenkohle) und einer guten Mulchdecke sind diese Probleme zu beheben.

Nachtrag: Vorsicht beim Einsatz von freiwilligen Helfern. Ein Strauch der Sorte ‘Nero’ fiel einem  Mähwerkzeug zum Opfer.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *