Agrarwüste 1

Sensenbruch! …und Umtausch.

Die Stauden- oder Kultursense, mit der ich sehr gerne und viel arbeite, ist neulich gebrochen. Und das, obwohl ich sie dabei nicht gerade in einem der härtesten Einsätze hatte. Normalerweise schneide ich mit ihr auch mal durch Robinien-Stockausschlag mit daumendicken, verholzten Trieben und Stöcken, in denen man oft abrupt hängen bleibt. Beim Bruch war aber bloß kniehoher Japanischer Staudenknöterich zu mähen, der eigentlich keinerlei Hindernis für dieses Werkzeug darstellt. Wie hier an den Bildern zu erkennen ist, war die Sense, die ich hatte, für einen Bruch prädisponiert. Der Wurf war nicht entlang des Faserverlaufs gespalten worden und dann gebogen, sondern es ist ein gesägter Wurf. Das ist aus ökonomischen Gründen heute so üblich, ich habe jedenfalls noch keinen gespaltenen und gebogenen Wurf gesehen, den man hätte käuflich erwerben können. Zusätzlich wies er einen durch Astansätze stark gestörten Faserverlauf auf – eigentlich ein Ausschlusskriterium für einen guten Sensenwurf.

Ich habe meine Staudensense im Jahr 2015 beim Fachhandel gekauft, und zwar bei silvanus.at. An das Team von Silvanus habe ich daraufhin eine Email mit den Fotos geschickt und mit der Bitte, mir den Sensenwurf zu ersetzen. Trotzdem der Kauf der Sense schon länger her war, hatte ich ein paar Stunden später eine freundlich Email als Antwort, die mir versicherte, man würde mir die Sense ersetzen. Ein paar Tage später hatte ich einen nagelneuen Sensenwurf in der Post! Dieser hat nun einen tadellosen Faserverlauf und ich mähe wieder gern und oft mit der Staudensense. Inzwischen ziehe ich sie für fast alle Aufgaben vor, die sonst Einsatzgebiet des Freischneider mit Dickichtmesser wären (Ich vergleich hier mit einem 8 PS Freischneider und dreischneidigem Blatt). Lediglich in Waldbeständen wie z.B. Ahorn-Stangenhölzern oder Flächen mit großflächig daumendicken verholzten Gewächsen nehme ich den Freischneider mit Kreissägeblatt. Alternativ dazu könnte man auch einen Schweitzer Gertel mit langem Griff benutzen.

 

 

Agrarwüste 1

Arbeiten mit der Kultur- oder Staudensense

Die Kultur- oder Staudensense ist das ideale Werkzeug, um grobe Stauden, holzige Sträucher und sogar kleine Bäume zu entfernen. Mit einem gut geschärften Blatt, mähe ich locker noch daumendicke Stämmchen von Hasel oder Ahorn. Auch der invasive Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica) ist mit einer Staudensense gut zu beseitigen.

Ursprünglich war die Staudensense für die Arbeit in Forstkulturen gedacht – daher auch der Name Kultursense. Mit ihr wurde Kulturpflege betrieben, es wurden also die gepflanzten jungen Bäume, die einmal den Waldbestand bilden sollten, von konkurrierender Vegetation freigestellt. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann Verbrennungsmotoren entwickelt, die lageunabhängig arbeiten konnten und dabei klein und leicht waren. So wurde neben der Motorsäge in ihrer heutigen Form auch der motorgetriebene Freischneider – auch bekannt als Motorsense – entwickelt. Da fossile Rohstoffe bei weitem nicht zu dem Preis gehandelt werden, der ihre ökologischen Kosten abdeckt, also die Umweltauswirkungen mit berücksichtigt, war ihr Eisatz billiger, weil man mit ihnen auch schnell voran kommt, wenn die Vegetation stark verholzt ist oder wenn man noch keine Erfahrung damit hat. Man kann so einen Freischneider so ziemlich jedem in die Hand drücken und es kommt immernoch eine gemähte Fläche dabei heraus. Den Umgang mit der Kultursense muss man dagegen etwas üben.

Trotzdem lohnt sich der anfängliche Aufwand. Man kann mit einer Kultursense arbeiten, ohne in einer Abgaswolke zu stehen. Sie verbraucht kein Benzin und macht keinen Lärm, ist jderzeit einsatzbereit und hält ein Leben lang, wenn man sie gut behandelt. Ein Freischneider hingegen zerstört auch viele kleine Lebewesen (ich habe schon viele schöne Weinbergschnecken getroffen, die im Garten doch so nützlich wären (sie fressen die Gelege der braunen Nacktschnecken)), ganz zu schweigen von den sonstigen Umweltauswirkungen und den ergonomischen Belastungen. Außerdem verzeiht sie viele Fehler, die eine Wiesensense schnell beschädigen würden. Daher empfehle ich sie sehr für Sensen-AnfängerInnen und auch für Flächen, bei denen man sich nicht sicher ist, ob nicht irgendwo unter dem Gras ein paar Ecken, Kanten oder hartes Material versteckt sind.

Die Kultur- oder Staudensense ist also das perfekte Werkzeug für den Waldgarten, bei der Anlage von Agroforstsystemen, an Waldrändern und generell überall da, wo es etwas gröber zugehen muss.

Ich persönlich empfehle die Kultursense der Firma Schröckenfux, die man z.B. beim Sensenverein erhält. Ich habe den Umgang mit Sensen bei Bergbauern in Österreich gelernt und lange selbst Erfahrung gesammelt. Man lernt natürlich nie aus, aber einen Sensenmähkurs würde ich trotzdem allen empfehlen, die keine Möglichkeit haben, das Sensenmähen bei jemandem zu lernen, der/die es kann. Vor allem die richtige Haltung ist wichtig, denn dann ist das Mähen mit der Sense auch noch eine gesunde Bewegung! Bei mir kann das Sensenmähen auch gelernt werden, wir haben hier viel zu mähen und suchen jederzeit Menschen, die gern ein paar Wochen oder länger bei uns am Hof mithelfen. Einfach mal anfragen!